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Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man den Teufel selbst interviewen kann! Teufel ist der Anführer der deutschen Band Tanzwut, die mit ihrem kürzlich veröffentlichten Album “Silberne Hockzeit” den illustren Meilenstein ihrer 25-jährigen Karriere erreicht hat. Zwischen mittelalterlichen Melodien, Industrial Metal und starkem Schwefelgeruch sprachen wir über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser historischen Band. Aber wussten Sie, dass der Teufel Puppen mag?
– Hallo Leute und willkommen auf unserer italienischen Heavy Metal Webzine Seite! Ich würde mit der Vorstellung Ihres neuen Album „SILBERNE HOCHZEIT“ anfangen, das Tanzwut-Klassiker enthält. Wie ist diese Idee entstanden?
Während der Corona-Zeit hatten wir Künstler ja gezwungenermaßen eine lange Pause in der wir nicht auftreten konnten. In dieser Zeit kam uns die Idee alte Songs neu aufzulegen. Da wir mittlerweile seit 25 Jahren als Band unterwegs sind, kamen wir schnell zu dem Schluss, dass die CD Silberne Hochzeit heißen sollte. Auf dieser CD haben wir ausschließlich Titel aus den Anfangsjahren der Band, Songs mit denen wir viele Erinnerungen verbinden und die wir schon sehr oft live gespielt haben.
“Silberne Hockzeit” ist das Album Ihres 25. Jubiläums. Wie fühlt es sich für Sie an, dieses wichtige Ziel zu feiern?
In einer Band zu spielen, die es schon seit 25 Jahre gibt, fühlt sich großartig an. Wir waren sehr viel unterwegs und haben viel erlebt. Es war und ist noch heute ein großes Abenteuer, mit allem, was man sich vorstellen kann und was das Rock’n Roll Leben zu bieten hat. Und so feiern wir in diesem Jahr bei unseren „Silberne Hochzeit – Konzerten“ einfach uns selbst, mit vielen Erinnerungen in unserem Kopf. Es werden viele Anekdoten und Geschichten erzählt aus unseren Anfangstagen, von unseren Reisen und Erlebnissen.
– Fünfundzwanzig Jahre künstlerische Tätigkeiten sind wirklich viel. Haben Sie am Anfang jemals an eine so lange und faszinierende Karriere gedacht?
Am Anfang von Tanzwut haben wir in keinem Fall darüber nachgedacht, ob wir jemals Karriere mit dieser Band machen würden. Wir waren einfach ein verrückter Haufen von Typen, die einfach nur Musik machten wollten. Unser Ursprung liegt ja in der Mittelaltermusik. Wir waren schon mehr als 10 Jahre als Spielleute unterwegs und irgendwann kam uns die Idee Mittelaltermusik und Rockmusik zu verbinden. Der Auslöser war, dass einer unserer Dudelsackspieler von Paul Landers eine Gitarre geschenkt bekam.
Nach langer Zeit, so vielen Tourneen und so vielen Festivals, haben Sie vor ein Buch darüber zu schreiben?
Dazu fehlt mir leider im Moment die Zeit. Aber ich bin mir sicher, dass es irgendwann noch dazu kommen wird.
– Wenn Sie auf diese 25 Jahre zurückblicken, gab es Momente, in denen Sie daran gedacht haben, alles aufzugeben? Was hat Ihnen geholfen und Sie dazu gebracht, immer wieder weiter zu machen?
Die Geschichte von Tanzwut ist von Beginn an immer von Höhen und Tiefen geprägt. Natürlich denkt man ab und an darüber nach, alles hin zu werfen. Wenn Dinge nicht so laufen, wie man sich das vorstellt oder man gefühlt nicht voran kommt. Aber für mich war immer klar, dass ich weitermachen werde. Schwierigkeiten mussten überwunden werden um gestärkt daraus hervorzugehen. Dazu liebe ich diese Musik und die Band einfach zu sehr.
– Was hören Sie im Alltag? Sind Sie mit klassischen Gruppen verbunden oder erkunden Sie auch die neuen?
Mein Musikgeschmack ist sehr sehr vielfältig. Ich höre tatsächlich von klassischer Musik bis Heavy Metal alles. Ich möchte mich da nicht einschränken. Und gerade andere Stile bringen einen dazu die eigene Musik vielfältiger zu gestalten.
– Die Covid-Pandemie hat die Art und Weise vieler Gruppen verändert. Für einige war es wie in einem Käfig zu leben, während andere mehr Freizeit und mehr Inspiration gefunden haben. Wie haben die verschiedenen Mitglieder von Tanzwut diese Zeit erlebt?
Jeder hat versucht aus dieser Zeit das Beste zu machen. Wir haben Songs geschrieben und neue Ideen versucht zu verwirklichen. Es war eigentlich eine Zeit in der man Dinge tun konnte, zu denen man sonst nicht kommt. Ich beispielsweise habe mich stark auf mein drittes Standbein, das Marionettenspiel gestürzt. Ich war viel in meiner Werkstatt und habe dort neuen Stücken erdacht und neuen Marionetten gebaut. Dabei hatte ich viele neuer Textideen für Tanzwut-Songs. Und so waren wir sehr kreativ in dieser Zeit.
– Sie haben in Ihre Karriere viele Videos gemacht, manche sogar besonders in 3D („Die Geister die wir riefen“) oder auf künstlerische Weise („Der Arzt“), manchmal einfach und melancholisch („Bis Zum Meer“) entstanden. Sie geben dieser Kunstform viel Bedeutung. Welche ist Ihre Meinung dazu?
Ich habe zu fast jedem Song auf einer neuen CD, eine Art Film im Kopf. Deshalb schreibe ich die Drehbücher für Video Clips auch meist selbst. Es macht mir großen Spaß einem Song eine visuelle Form zu geben. Ich glaube, dass man darüber eine Menge transportieren kann.
– Das Element “Meer” ist oft in Ihren Liedern aufgetaucht. Ein Thema, das Musiker schon immer fasziniert hat. Wie kommt es Ihrer Meinung dazu?
Eigentlich wollte ich als Jugendlicher zur See fahren. Leider war es mir als Kind der DDR nicht möglich. Ich träumte davon mir die Welt anschauen, doch durch die Teilung von Deutschland in Ost und West und die Grenzen des Landes war ich beschränkt auf einen kleinen Teil der Welt. Zum Glück haben sich die Grenze irgendwann geöffnet und so konnte ich in die Welt hinaus ziehen. Das Meer zieht mich auch immer noch sehr in seinem Bann. Und ich muss auch jedes Jahr mindestens einmal am Meer sein, die Luft atmen und den Blick in die Ferne schweifen lassen.
– Denken wir jetzt an die Zukunft: Wie werden Tanzwut in 25 Jahren sein?
Da ich nicht in die Zukunft schauen kann, kann ich diese Frage auch nicht wirklich beantworten. Ich hoffe, daß ich in 25 Jahren noch einigermaßen bei Gesundheit bin und meinen Lebensabend genießen kann. Aber natürlich werden Musik, Literatur und Theater mich weiterhin begleiten.
– Sind Sie jemals nach Italien gekommen, um zu spielen? Ich denke nicht, gibt es diese Möglichkeit? Haben Sie Fans in unserem Land?
Wir haben schon ein paar Mal als Tanzwut – sowohl als Rockband, als auch als Mittelalterband – in Italien gespielt und es war immer großartig mit den italienischen Fans. Aber es ist leider schon eine Weile her. Ob wir wirklich Fans in Italien haben, weiß ich nicht, aber es gibt sicher viele Festivals und Mittelalterfeste auf denen wir spielen könnten.
– Wenn Tanzwut nie in Italien gewesen sind, ist es nicht dasselbe für Corvus Corax, wo einige von Ihnen spielen. Nächsten Sommer werden Sie beim Montelago Celtic Fest dabei sein. Gibt es Neuigkeiten über diese Gruppe?
Ich habe mal für ein paar Jahr bei Corvus Corax gespielt, aber das ist schon lange her. Die beiden Bands überschneiden sich nicht mehr. Tanzwut hat ja seit vielen Jahren 3 Facetten. Wir sind nicht nur die Rockband Tanzwut, welche es seit 25 Jahren gibt. Wir sind auch die Mittelalterband Tanzwut, da meine Wurzeln im Mittelalter liegen und ich schon lange vor der Wiedervereinigung Deutschlands als Spielmann unterwegs war. Zu dieser Zeit trat ich auch schon mit Marionetten auf. Diese Facette haben wir vor ein paar Jahren wiederbelebt, so dass wir auch mit dem Tanzwut Marionettentheater auf Mittelalterfesten präsent sind.
– Wir sind am Ende des Interviews angelangt, wir danken Ihnen für die Zeit, die Sie uns gewidmet haben und für die wunderbaren Lieder, die Sie uns geschenkt haben. Ich lasse Ihnen das letzte Wort für einen Gruß an die italienischen Fans!
Auch von mir vielen Dank für das Interview. Wir sind gespannt, ob wir bald einmal die Gelegenheit bekommen in Italien zu spielen. Wir würden uns auf jeden Fall freuen italienische Fans zu treffen und neue Fans zu gewinnen. Bis bald! Teufel





